Neue Nervenzellen: Geheimnis der außergewöhnlichen geistigen Fitness im Alter

ADN
Neueste Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass eine anhaltende Bildung neuer Nervenzellen im Gehirn eine entscheidende Rolle für die außergewöhnliche geistige Leistungsfähigkeit von sogenannten Superagern spielen könnte, die selbst im hohen Alter überdurchschnittlich fit bleiben.
TL;DR
- Superager behalten außergewöhnliche neuronale Regeneration im Alter.
- Alzheimer-Patienten zeigen deutlichen Rückgang der Neurogenese.
- Genetische Faktoren fördern bei Superagern kognitive Resilienz.
Die erstaunliche Widerstandskraft der Superager-Gehirne
Manche ältere Menschen überraschen mit geistiger Frische und bestechender Erinnerungskraft. Diese sogenannten Superager stehen zunehmend im Fokus der Wissenschaft – so nun auch an der Universität von Illinois in Chicago. Ein internationales Forscherteam hat dort nachgewiesen, dass bestimmte Senioren über eine bemerkenswert aktive Produktion neuer Nervenzellen verfügen, und zwar weit über das bisher angenommene Maß hinaus. Lange war die Annahme verbreitet, das menschliche Gehirn stelle spätestens nach der Jugendzeit die sogenannte Neurogenese ein. Nun jedoch deuten aktuelle Erkenntnisse auf ein ganz anderes Bild hin.
Zelluläre Besonderheiten im Hippocampus entdeckt
Im Rahmen ihrer Untersuchung analysierten die Forschenden das Gewebe des Hippocampus, jenes Areals, das als Schaltzentrale des Gedächtnisses gilt. Insgesamt wurden die Zellkerne aus den Gehirnen von 38 Spendern verglichen: darunter junge Erwachsene, gesunde Senioren, diagnostizierte Alzheimer-Patienten sowie die besagten Superager. Das Ergebnis ist ebenso klar wie beeindruckend: Im Gehirn der Superager fanden sich doppelt so viele neu entstandene Nervenzellen wie bei anderen Senioren desselben Alters.
Mehrere Faktoren erklären diese außergewöhnliche Widerstandsfähigkeit:
- Erhöhte Aktivität von Genen für synaptische Plastizität und den neurotrophen Faktor BDNF.
- Bessere Erhaltung neuronaler Strukturen trotz fortgeschrittenen Alters.
- Möglicherweise schützende Umwelteinflüsse oder Lebensstilfaktoren.
Kognitive Reserven versus Alzheimer-Risiko
Ein deutlich anderes Bild zeichnet sich hingegen bei Menschen mit Alzheimer-Erkrankung. Bereits in frühen Stadien lässt sich ein massiver Abfall der Neubildung von Nervenzellen beobachten. Die Ergebnisse lassen einen Zusammenhang zwischen verminderter Neurogenese und kognitivem Verfall vermuten – ein Aspekt, den auch die beteiligte Neurowissenschaftlerin Orly Lazarov hervorhebt.
Perspektiven für Prävention und Forschung
Mit Blick auf die Zukunft liefern diese Entdeckungen neue Impulse für Therapien gegen den altersbedingten geistigen Abbau. Denn die Fähigkeit des Gehirns zur Regeneration scheint keineswegs gänzlich verloren zu gehen – zumindest bei einzelnen Individuen. Laut dem Zellbiologen Ahmed Disouky steht fest: „Unser Gehirn ist nicht zwangsläufig zum Verfall bestimmt.“ Die Hoffnung wächst also, durch gezielte Förderung der Neurogenese kognitive Fähigkeiten bis ins hohe Alter erhalten zu können.