Polizist bei mutmaßlichem IS-Anschlag auf Pariser Champs-Elysées getötet

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Die von der Polizei abgeriegelten Champs-Elysées

Frankreich ist drei Tage vor Beginn der Präsidentschaftswahl offenbar von einem neuen islamistischen Anschlag erschüttert worden: Bei einem Angriff auf Polizisten auf dem Boulevard Champs-Elysées wurden ein Beamter und der Schütze getötet.

Kurz vor der Präsidentschaftswahl ist Frankreich erneut Schauplatz eines mutmaßlichen islamistischen Anschlags geworden: Bei einem Angriff auf Polizisten auf dem Pariser Prachtboulevard Champs-Elysées wurden am Donnerstagabend nach Regierungsangaben ein Beamter und der Schütze getötet und drei weitere Menschen verletzt. Zu der Tat bekannte sich die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS). Laut Ermittlerkreisen war der 39-jährige Täter bereits im Visier der Polizei.

Präsident François Hollande sagte nach einer Krisensitzung im Elysée-Palast, die Regierung sei überzeugt davon, dass der Angriff einen terroristischen Hintergrund habe. Der Schütze habe gezielt auf Polizisten und ihren Wagen gefeuert, bevor er erschossen wurde.

Wenige hundert Meter vom Arc de Triomphe entfernt wurden zwei Polizisten verletzt, einer von ihnen schwer. Zudem wurde eine Touristin laut Polizei durch einen Splitter leicht verletzt. Ihre Nationalität wurde nicht mitgeteilt.

Des getöteten Polizisten soll am Freitagmorgen landesweit gedacht werden. Zudem berief Hollande für Freitag eine Sitzung des nationalen Sicherheitskabinetts ein.

Zu dem Angriff bekannte sich der IS über sein Propaganda-Sprachrohr Amaq. Die Agentur identifizierte den Täter als einen Kämpfer namens "Abu Yussef der Belgier".

Anschlag auf den Champs-Elysees

Anschlag auf den Champs-Elysees

Die Antiterror-Staatsanwaltschaft übernahm die Ermittlungen. Ihr Leiter François Molins erklärte, der Täter sei den Behörden bekannt gewesen und seine Identität verifiziert. Details wollte er aus ermittlungstaktischen Gründen nicht nennen. Die Behörden durchsuchten eine Wohnung in einem Vorort östlich von Paris, in der der Mann zuletzt gewohnt haben soll.

Die Nachrichtenagentur AFP erfuhr aus Ermittlerkreisen, dass der Angreifer - ein 39-jähriger Franzose - wegen zwei Angriffen mit Schusswaffen auf zwei Polizisten und einen dritten Mann 2005 zu 15 Jahren Haft verurteilt worden war. Die Haftstrafe saß er nicht vollständig ab. Im Februar wurde er den Angaben zufolge erneut festgenommen wegen des Verdachts, dass er Polizisten ermorden wolle. Aus Mangel an Beweisen kam er allerdings wieder frei.

Ein Polizeivertreter sagte, der Angreifer sei in einem Auto vorgefahren und ausgestiegen. Er habe mit einer Automatikwaffe auf das Polizeifahrzeug geschossen. "Er hat einen der Polizisten getötet und versucht, im Laufen noch Weitere zu treffen."

Französischer Soldat auf dem Champs-Elysées

Französischer Soldat auf dem Champs-Elysées

Die Sicherheitskräfte riegelten die Champs-Elysées nach dem Angriff weiträumig ab, sperrten mehrere Metro-Stationen und riefen die Bevölkerung auf, den Bereich zu meiden. Über dem Boulevard kreiste ein Hubschrauber. Der Besitzer eines Restaurants nahe der Champs-Elysées sagte AFP, es sei ein kurzer, aber intensiver Schusswechsel zu hören gewesen. "Wir haben unsere Kunden im Keller versteckt."

Das Auswärtige Amt in Berlin erklärte auf Twitter, Deutschland stehe "fest und entschlossen an der Seite Frankreichs". Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ließ via Twitter mitteilen: "Mein Mitgefühl gilt den Opfern und ihren Familien." Auch US-Präsident Donald Trump sprach den Franzosen sein Mitgefühl aus. "Es endet einfach nie", sagte er in Washington zur anhaltenden Terrorgefahr.

In Frankreich sind vor der Wahl tausende Polizisten und Soldaten im Einsatz. Seit den islamistischen Anschlägen im November 2015 gilt der Ausnahmezustand. Bei Anschlägen 2015 und 2016 wurden in Frankreich insgesamt 238 Menschen getötet.

Der Angriff auf den Champs-Elysées ereignete sich während einer Serie von Live-Interviews mit den elf Präsidentschaftskandidaten im Sender France 2. Die Präsidentschaftskandidaten Marine Le Pen, Emmanuel Macron und François Fillon sagten für Freitag geplante Wahlkampfveranstaltungen ab. Zahlreiche französische Politiker äußerten sich bestürzt und verurteilten die Tat.

Erst zu Wochenbeginn hatten die französischen Behörden nach eigenen Angaben einen Anschlag vereitelt. In Marseille wurden zwei "radikalisierte" Verdächtige festgenommen. Bei einer Wohnungsdurchsuchung wurden unter anderem Sprengstoff, Schusswaffen sowie eine IS-Flagge gefunden. In den vergangenen Jahren hatte es in Frankreich immer wieder Angriffe auf Sicherheitskräfte gegeben.

Foto : © AFP THOMAS SAMSON

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