Grammarly stoppt KI-generierte Bewertungen unter echten Autorenprofilen

Grammarly / PR-ADN
Der Schreibassistent Grammarly hat beschlossen, die Funktion zu pausieren, mit der KI-generierte Rezensionen echten Autoren zugeschrieben werden. Diese Entscheidung folgt auf anhaltende Kritik an mangelnder Transparenz und möglicher Irreführung der Nutzer.
TL;DR
- Grammarly nutzte ohne Zustimmung Namen prominenter Experten.
- Starke Kritik führte zur sofortigen Aussetzung der Funktion.
- Rechtliche und ethische Fragen zur Nutzung von Identitäten bleiben.
Einleitung: Unruhe um neue Grammarly-Funktion
Mitten im Sommer sorgte Superhuman für heftige Diskussionen im Bereich der digitalen Schreibassistenten. Im Zentrum des Sturms: die Funktion Expert Review, die jüngst in das Tool Grammarly integriert wurde. Das Konzept versprach, Nutzern Rückmeldungen zu ihren Texten zu liefern – unterzeichnet mit dem Namen berühmter Wissenschaftler, Autoren oder bekannter Tech-Blogger. Doch hinter dem innovativen Ansatz verbarg sich ein gravierendes Problem, das vor allem ethische und rechtliche Bedenken weckte.
Nutzung prominenter Namen ohne Einwilligung
Nicht wenige Nutzer staunten, wenn sie plötzlich einen Text mit einer renommierten Unterschrift versehen sahen – und das ganz automatisch, je nach Thema ihres Dokuments. Die Namen wurden aus „öffentlich verfügbaren Daten von Drittanbieter-LLMs“ aggregiert, also durch Webcrawler gesammelt, deren Legalität durchaus fragwürdig erscheint. Besonders pikant: Weder lebende noch verstorbene Persönlichkeiten wurden um Erlaubnis gebeten. Zwar gab es einen knappen Hinweis, dass die Expertennennung keinen Bezug zu einer tatsächlichen Kooperation habe; doch konnte dieser Zusatz die Wogen kaum glätten.
Kritik aus der Community und erste Konsequenzen
Schnell machten empörte Stimmen von Betroffenen – darunter aktive Autorinnen und Autoren – ihrem Ärger Luft. Viele monierten eine missbräuchliche Verwendung ihrer Identität durch Superhuman. Versuche des Unternehmens, den Druck zu mindern, waren wenig überzeugend: So wurde zwar eine Abmeldeoption für betroffene Expertinnen angeboten, doch blieb diese für Verstorbene oder wenig aktive Persönlichkeiten praktisch wirkungslos.
Zukunft ungewiss: Was bleibt nach dem Rückzug?
Unter dem Eindruck massiver Kritik und öffentlicher Debatte erklärte der CEO von Superhuman, Shishir Mehrotra, schließlich auf LinkedIn die sofortige Aussetzung von Expert Review. Begründet wurde dies mit dem Anspruch, Zeit für eine grundsätzliche Überprüfung einzuräumen. Die Intention sei gewesen, Nutzerinnen und Nutzern „einflussreiche Perspektiven“ zugänglich zu machen sowie Experten neue Interaktionsmöglichkeiten zu bieten. Dennoch stehen nun zentrale Fragen im Raum:
- Wie weit darf KI beim Umgang mit realen Identitäten gehen?
- Können Warnhinweise unbefugte Namensnutzung legitimieren?
- Wer trägt Verantwortung bei Verstößen gegen Persönlichkeitsrechte?
Fest steht: Der Fall hat die Debatte über die ethischen Grenzen generativer KI aufs Neue entfacht und wird sicherlich Nachwirkungen zeigen – sowohl für Anbieter wie auch betroffene Persönlichkeiten.