Mütterliche Zellen im Körper: Neue wissenschaftliche Erkenntnisse enthüllt

ADN
Wissenschaftler haben entdeckt, dass Millionen von mütterlichen Zellen nach der Geburt im Körper ihrer Kinder weiterleben. Diese sogenannten Mikrochimärien könnten wichtige Auswirkungen auf Gesundheit und Krankheiten haben und eröffnen neue Perspektiven für die medizinische Forschung.
TL;DR
- Mütterliche Zellen bleiben lebenslang im Körper des Kindes.
- Sie fördern Toleranz im Immunsystem des Nachwuchses.
- Neues Verständnis für Autoimmunerkrankungen und andere Leiden.
Verborgene Spuren: Die Mutter bleibt im Kind
Kaum jemand ahnt, dass jede und jeder von uns seit der Geburt einen winzigen Anteil fremder Zellen in sich trägt. Genauer gesagt: Ungefähr eine von einer Million unserer eigenen Zellen stammt direkt von unserer Mutter. Dieser Austausch vollzieht sich während der Schwangerschaft – ein Phänomen, das als mikrochimärismus bezeichnet wird und seit Jahrzehnten das Interesse der Wissenschaft auf sich zieht.
Immunologische Balance dank mütterlicher Zellen
Bemerkenswert ist, wie unser Immunsystem, das normalerweise alles Fremde erbittert bekämpft, diese maternalen Eindringlinge dauerhaft akzeptiert. Eine Forschungsgruppe um den Spezialisten für Infektionskrankheiten bei Kindern, Sing Sing Way am Cincinnati Children’s Hospital Medical Center, hat die zugrundeliegenden Mechanismen entschlüsselt. In Versuchen mit genetisch veränderten Mäusen zeigte sich, dass es speziell Zellen aus dem Knochenmark oder dendritische Zellen der Mutter sind, die noch lange nach der Geburt überdauern.
Ein aktives Training für das Immunsystem vor der Geburt
Es geht dabei keineswegs nur um passives Verweilen. Vielmehr trainieren diese mütterlichen Zellen das kindliche Immunsystem aktiv – insbesondere fördern sie die Entwicklung von sogenannten T-regulatorischen Lymphozyten. Diese besonderen Immunzellen wirken wie Vermittler und verhindern überschießende Abwehrreaktionen gegen die fremden mütterlichen Zellen. Wird dieses spezielle Zellkontingent entfernt, bricht die Toleranz zusammen: Das Immunsystem des Kindes reagiert prompt feindselig.
Mögliche Schlüsselrolle bei Krankheiten
Mehrere Faktoren erklären diese neue Sichtweise auf mikrochimäre Prozesse:
- Bessere Erforschung von Autoimmunerkrankungen, da hier die Balance zwischen fremden und eigenen Zellen entscheidend sein könnte.
- Klareres Verständnis darüber, ob mikrochimäre Zellen Krankheit auslösen oder reparative Funktionen übernehmen.
- Zukunftsperspektiven in der Untersuchung von Krebs- oder neurologischen Erkrankungen.
Der leise zelluläre Dialog zwischen Mutter und Kind birgt somit nicht nur faszinierende biologische Erkenntnisse, sondern eröffnet auch neue Wege im Umgang mit bislang wenig verstandenen Erkrankungen.