Nahost-Konflikt: Blockade Straße von Hormus treibt Öl- und Gaspreise

ADN
Die angespannte Lage im Nahen Osten hat zur Blockade der wichtigen Schifffahrtsroute im Persischen Golf geführt. Dadurch steigen weltweit die Preise für Erdöl und Gas, während Lieferketten und Energiesicherheit zunehmend unter Druck geraten.
TL;DR
- Maritimer Handel im Golf von Hormus faktisch eingefroren.
- Globale Lieferketten und viele Branchen stark betroffen.
- Umwege verursachen massive Verzögerungen und Mehrkosten.
Ein historischer Stillstand im Seehandel
Der Golf von Hormus, einer der wichtigsten Seewege der Welt, erlebt derzeit einen Ausnahmezustand. Seit Ausbruch der jüngsten Konflikte im Nahen Osten haben internationale Reedereien wie MSC, Maersk, CMA CGM, Hapag Lloyd und Cosco ihre Schiffe angewiesen, entweder zu pausieren oder sichere Ankerplätze aufzusuchen. Was Experten als „beispiellosen Stillstand“ beschreiben, hat es selbst während kriegerischer Auseinandersetzungen wie dem Iran-Irak-Krieg oder der Golfkrise nie in dieser Form gegeben.
Kritische Bedeutung für Energie- und Warenströme
Rund ein Viertel des weltweiten Ölaufkommens sowie knapp 20 Prozent des global transportierten Flüssigerdgases passieren jährlich diesen Engpass. Doch die strategische Relevanz reicht noch weiter: Der Hafen von Dubaï-Jebel Ali, als wichtigster regionaler Umschlagplatz, verteilt die Güter aus dem Nahen Osten nach Indien, Afrika oder zu anderen Ländern der Region. Ganze Clustern von Frachtschiffen und Tankern sind aktuell vor Häfen wie dem kuwaitischen Kuwait City, vor Dubaï sowie vor dem iranischen Bandar Abbas blockiert.
Sektorenvielfalt unter Druck – Von Energie bis Luxusgüter
Die Liste betroffener Produkte ist erstaunlich breit gefächert:
- Erdöl und LNG (Flüssigerdgas)
- Zerealien, Kosmetika, pharmazeutische Artikel, europäische Automobile
- Luxusgüter aus Italien: Marmor, Keramik; Aluminium aus dem Nahen Osten; Lebensmittel aus den Niederlanden und Italien
Für viele Unternehmen sind die Auswirkungen bereits spürbar: Online-Händler wie Amazon, Temu oder Shein kündigen längere Lieferzeiten an – mitunter dauert es mehr als zehn Tage länger, bis Bestellungen eintreffen.
Kostspielige Umwege – Ein Dominoeffekt für die Wirtschaft?
Die derzeitige Unsicherheit zwingt viele Akteure, ihre Routen drastisch zu verändern. Wegen zusätzlicher Risiken im Roten Meer bleibt oft nur ein einziger Ausweg: Die Umfahrung Afrikas über das Kap der Guten Hoffnung. Das bedeutet nicht nur eine Verlängerung um durchschnittlich zehn Seetage pro Fahrt, sondern treibt auch die Frachtkosten um bis zu 30 Prozent in die Höhe. Mittelfristig wird dies wohl kaum eine Branche verschonen – weder Industrie noch Konsumenten werden den wirtschaftlichen Folgen ausweichen können.