Psychische Störungen erhöhen Sterberisiko bei Krebspatienten: Neue Erkenntnisse

ADN
Psychische Erkrankungen können den Verlauf und die Überlebenschancen von Krebspatienten deutlich beeinflussen. Neue Erkenntnisse beleuchten, wie seelische Belastungen das Sterberisiko erhöhen und welche Bedeutung eine umfassende Betreuung für Betroffene hat.
TL;DR
- 10,6% entwickeln psychische Störungen nach Krebsdiagnose.
- Mortalitätsrisiko bleibt bis zu fünf Jahre erhöht.
- Psychologische Betreuung verbessert Überlebenschancen.
Psychische Gesundheit im Fokus der Onkologie
Im Schatten einer Krebsdiagnose rückt ein bislang häufig unterschätzter Aspekt in den Vordergrund: die seelische Belastung vieler Patientinnen und Patienten. Die neue Studie aus der Feder von Wissenschaftlern der University of California, San Francisco, veröffentlicht am 23. Februar 2026 im Journal der American Cancer Society, beleuchtet diese bislang wenig beachtete Seite des Krankheitsverlaufs. Dabei wurden medizinische Daten von über 370.000 US-Amerikanern ausgewertet, die zwischen 2013 und 2023 erstmalig an Krebs erkrankten – allesamt ohne bekannte psychiatrische Vorgeschichte.
Langanhaltende Risiken für die Betroffenen
Die Auswertung zeigt einen deutlichen Befund: Innerhalb eines Jahres nach der Diagnose entwickelten rund 10,6 % – mehr als 39.000 Menschen – eine psychische Erkrankung wie Depression oder Angststörung. Doch damit nicht genug: Für diese Gruppe war das Risiko, innerhalb der folgenden drei Jahre zu versterben, um satte 51 % erhöht. Interessanterweise blieb dieses Risiko auch zwischen dem dritten und fünften Jahr nach der Diagnose mit noch immer erhöhten 17 % bestehen. Erst danach glichen sich die Überlebensraten wieder an.
Klinische Schlussfolgerungen und Appell an die Versorgung
Vor diesem Hintergrund fordern die Autoren, die psychologische Betreuung als festen Bestandteil der Krebstherapie zu verankern. Mehrere Gründe sprechen dafür:
- Psyche und Körper: Seelische Belastungen können den Krankheitsverlauf negativ beeinflussen.
- Therapietreue: Stabilere Patienten nehmen Behandlungen zuverlässiger wahr.
- Lebenserwartung: Integrierte Unterstützung kann Überlebenschancen verbessern.
Perspektiven für Patientinnen und Patienten
Die Untersuchung macht deutlich: Der Blick auf die psychische Gesundheit sollte im onkologischen Alltag genauso selbstverständlich werden wie Laborwerte oder Therapieschemata. Gerade angesichts dieser Zahlen wirkt eine engmaschige psychosoziale Begleitung weniger als Zusatzleistung denn als medizinischer Imperativ – ein Schritt hin zu einer ganzheitlichen Versorgung von Krebspatienten, bei denen das Wohlbefinden nicht an der Tumorgrenze Halt macht.