US-Außenministerium löscht alte Tweets: Digitale Bereinigung 2024

ADN
Der US-Außenministerium hat zahlreiche ältere Beiträge auf seiner offiziellen Twitter-Seite entfernt. Beobachter sehen darin einen ungewöhnlichen Schritt, der Fragen nach Transparenz und dem Umgang mit staatlicher Kommunikation im digitalen Zeitalter aufwirft.
TL;DR
- US-Außenministerium löscht X-Konten umfassend.
- Öffentlicher Zugang zu alten Inhalten stark eingeschränkt.
- Transparenz und digitale Archivierung stehen zur Debatte.
Digitale Spuren amerikanischer Behörden werden gelöscht
Ein überraschender Schritt des US-Außenministeriums sorgt aktuell für Aufsehen: Zahlreiche offizielle Accounts der Plattform X (ehemals Twitter), darunter auch Profile von US-Botschaften sowie Posts aus den Amtszeiten von Joe Biden, Barack Obama und dem ersten Mandat von Donald Trump, wurden vollständig entfernt. Selbst historische Beiträge, die einen wichtigen Teil der jüngeren US-Diplomatie dokumentierten, sind nun nicht mehr öffentlich einsehbar.
Zugang nur noch über bürokratische Umwege
Anders als in den Vorjahren wird keine frei zugängliche öffentliche Archivlösung angeboten. Wer auf die gelöschten Inhalte zugreifen möchte, ist gezwungen, einen Antrag nach dem amerikanischen Freedom of Information Act (FOIA) zu stellen. Dieser Prozess ist nicht nur umständlich und zeitaufwendig, sondern schwächt auch die bisherige Transparenzkultur der US-Regierung erheblich.
Ausrichtung auf einheitliche Kommunikation – aber zu welchem Preis?
Ein Sprecher des Außenministeriums begründete diese Maßnahme gegenüber NPR damit, dass Verwirrung bezüglich offizieller Regierungspositionen vermieden werden solle. Die Intention sei, mit einer Stimme die Ziele des Präsidenten und der Administration zu vermitteln. Dabei werden die betroffenen X-Konten als „eine der stärksten Waffen“ zur Durchsetzung von „America First-Prioritäten“ bezeichnet. Während die offizielle Begründung betont, die Vergangenheit werde durch andere Wege weiterhin bewahrt, stellen sich dennoch grundlegende Fragen.
Bedenken hinsichtlich Transparenz und digitaler Erinnerungskultur
Diese Entwicklung reiht sich ein in eine Serie digitaler Säuberungen auf Regierungsplattformen seit der Amtsübernahme von Donald Trump. Zuletzt wurde sogar das traditionsreiche CIA-World Factbook, seit 1997 eine zentrale Informationsquelle im Netz, abrupt entfernt. Mehrere Faktoren erklären diese Verschiebung hin zu restriktiver Informationspolitik:
- Sorge um politische Missverständnisse durch alte Posts
- Zunehmende Kontrolle über das Narrativ der Regierung
- Bürokratisierung des Zugangs für Wissenschaft und Öffentlichkeit
Vor diesem Hintergrund fragen sich viele Beobachter, wie künftig ein demokratischer Zugang zur digitalen Geschichte der Vereinigten Staaten möglich bleiben soll – oder ob Forscherinnen und Bürger immer öfter an bürokratischen Hürden scheitern werden. Ein unübersehbarer Paradigmenwechsel zeichnet sich ab.