Warum ist der Grippeimpfstoff 2024 weniger wirksam?

ADN
In dieser Grippesaison bleibt der Impfschutz hinter den Erwartungen zurück. Fachleute machen vor allem die veränderten Virusstämme verantwortlich, die sich anders als im Impfstoff angenommen entwickelt haben und damit dessen Wirksamkeit beeinträchtigen.
TL;DR
- Grippeimpfstoff 2026: Wirksamkeit liegt bei 36,5 %
- Unerwartete Virusvariante reduzierte Schutzeffektivität
- Impfung schützt weiterhin vor schweren Verläufen
Herausforderung der Virusvorhersage
Die Saison-Grippeimpfung 2026 sorgt in diesem Jahr für Diskussionen – insbesondere im Hinblick auf ihre Effektivität. Während die Impfkampagne noch bis zum 31. Januar läuft, veröffentlichte Santé publique France einen aktuellen Bericht: Die Schutzwirkung des diesjährigen Impfstoffs wird lediglich auf 36,5 % geschätzt. Ein Wert, der viele überrascht, aber bei genauerer Betrachtung wenig verwundert. Denn die Entwicklung von Grippeimpfstoffen basiert zwangsläufig auf Prognosen mehrerer Monate im Voraus.
Knappe Vorlaufzeit – schwierige Entscheidungen
Bereits im Februar 2025 mussten internationale Expertengremien unter Leitung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) festlegen, welche Virusstämme voraussichtlich dominieren werden. In diesem Jahr zeigte sich jedoch, dass vor allem der sogenannte K-Klade des A/H3N2-Virus, aktuell in Frankreich weit verbreitet, damals kaum vorhersehbar war. Professor Antoine Flahault von der Université Paris-Cité – Inserm erläutert hierzu, dass die Impfstoffzusammensetzung immer ein Wettlauf gegen die Zeit bleibt – und manchmal kommt es eben zu solchen „Überraschungen“. Letztlich landet man mit der Effektivität dann meist am unteren Ende des erwarteten Spektrums, also unterhalb von 40 %.
Trotz mäßiger Wirksamkeit: Impfen bleibt sinnvoll
Es stellt sich dennoch die Frage nach dem Nutzen. Selbst mit moderatem Schutz hat das Vakzin eine wichtige Funktion im Gesundheitsschutz. Mehrere Faktoren erklären diese Entscheidung:
- Verminderung schwerer Krankheitsverläufe bei Risikogruppen
- Senkung der Komplikationsrate wie Lungenentzündung oder Herzprobleme
- Bessere individuelle und kollektive Abwehr gegen das Virus
Insbesondere für Menschen ab 65 Jahren, Personen mit geschwächtem Immunsystem sowie für Schwangere bleibt die Impfung angeraten. Bemerkenswert ist dabei: Über die Hälfte aller über 65-Jährigen in Frankreich haben sich bereits impfen lassen – mehr als im Vorjahr.
Blick auf den weiteren Verlauf – Unsicherheiten bleiben bestehen
Nachdem Frankreich rund um Weihnachten offenbar einen ersten Höhepunkt an Infektionen hinter sich ließ, bleibt unklar, wie sich das Infektionsgeschehen weiterentwickeln wird. Epidemiologe Flahault hält eine erneute Zunahme der Fallzahlen in der zweiten Januarhälfte für durchaus möglich – ein Szenario, das schon vergangenes Jahr zu beobachten war. Sollte eine neue Welle ausbleiben, könnten die Behörden bereits Ende Januar ein nahezu abschließendes Fazit zur diesjährigen Grippesaison ziehen. Bis dahin gilt: Vorsicht ist besser als Nachsicht – vor allem für besonders Gefährdete.