Schlafgeräusche: Experte erklärt Ursachen für laute Geräusche nachts

ADN
Ein angesehener Mediziner erläutert, welche medizinischen oder physiologischen Gründe hinter lauten Geräuschen stecken können, die manche Menschen im Schlaf wahrnehmen, und wie diese Phänomene zu verstehen sind.
TL;DR
- Syndrom der explodierenden Kopfes löst nächtliche Knallgeräusche aus.
- Keine körperlichen Schäden, Ursachen bisher nicht abschließend geklärt.
- Stress und Schlafmangel erhöhen das Risiko deutlich.
Ein selten beachtetes Phänomen: Explodierende Geräusche im Kopf
Nächtliche Stille – plötzlich ein lautes Krachen, als würde ein Donnerschlag durch den eigenen Schädel hallen: Was nach Science-Fiction klingt, ist für viele Menschen Realität. Das sogenannte Syndrom der explodierenden Kopfes bringt markante, aber rein subjektive Knall- oder Explosionsgeräusche mit sich. Für Betroffene ist dieser Moment häufig äußerst beunruhigend, auch wenn keine reale Schallquelle existiert.
Mögliche Ursachen: Noch viele Fragen offen
Die Forschung zu diesem rätselhaften Schlafphänomen steckt noch in den Kinderschuhen. Vermutet wird eine Störung im Bereich des Hirnstamms, genauer der Formation reticularis – einer Region, die maßgeblich für die Steuerung des Übergangs vom Wachsein zum Schlaf verantwortlich ist. Manche Wissenschaftler ziehen auch biochemische Faktoren wie einen Mangel an GABA, einem wichtigen beruhigenden Neurotransmitter, oder einen gestörten Calcium-Haushalt in Betracht. Fest steht bislang nur: Bei EEG-Untersuchungen lassen sich keinerlei epileptische Aktivitäten oder äußere Geräusche feststellen. Alles spielt sich ausschließlich im Inneren des Gehirns ab.
Wer ist betroffen – und warum?
Trotz der geringen Bekanntheit handelt es sich keineswegs um ein extrem seltenes Phänomen. Neueste Untersuchungen zeigen, dass etwa 14 Prozent aller Erwachsenen zumindest einmal im Leben mit dem Syndrom konfrontiert sind – deutlich mehr als lange vermutet. Besonders gefährdet scheinen Menschen zu sein, die unter folgenden Bedingungen leiden:
- Chronischer Stress
- Starke Erschöpfung oder Schlafentzug
- Absetzen von Antidepressiva oder Migräneerkrankungen
Auffällig ist außerdem: Entgegen älteren Annahmen sind keineswegs nur ältere Frauen betroffen; jede Altersgruppe kann betroffen sein.
Umgang und Behandlungsmöglichkeiten
Zwar gibt es bislang keine gezielte Therapie gegen das Syndrom, doch einige Strategien helfen vielen Patienten im Alltag weiter. Eine regelmäßige Schlafroutine mit mindestens sieben Stunden Nachtruhe, Entspannungsübungen wie Meditation sowie das Führen eines Schlafprotokolls können die Symptome lindern. In schweren Fällen verschreiben Ärztinnen und Ärzte gelegentlich Medikamente – beispielsweise Calciumkanalblocker oder niedrig dosierte Antidepressiva. Wer trotz aller Maßnahmen unter wiederholten Episoden leidet, sollte eine Fachärztin oder einen Facharzt für Schlafmedizin konsultieren.