Runner’s High: Glücksrausch und Motivation beim Joggen erleben

ADN
Immer mehr Hobbyläufer berichten von einem euphorischen Hochgefühl beim Laufen, das sogenannte Runner’s High. Diese intensive Erfahrung motiviert viele, regelmäßig zu joggen und stärkt das körperliche sowie mentale Wohlbefinden.
TL;DR
- Runner’s high: Euphorie beim Laufen wissenschaftlich umstritten.
- Endocannabinoide spielen wohl größere Rolle als Endorphine.
- Phänomen selten, stark individuell ausgeprägt.
Laufen und Euphorie: Wissenschaftliche Erkenntnisse zum Runner’s High
Wer regelmäßig durch die Parks von Lyon oder andere Städte joggt, stößt früher oder später auf einen Begriff, der in der Läuferszene nahezu mystisch anmutet: das sogenannte Runner’s High. Die Beschreibung dieses besonderen Zustands – eine Mischung aus Leichtigkeit, Euphorie und tiefem Wohlbefinden – klingt wie ein Versprechen. Doch hält die Wissenschaft, was die Erzählungen vieler ambitionierter Läufer suggerieren?
Endorphine im Fokus – aber nicht alleiniger Auslöser
Lange galt die These, dass beim langen Laufen vor allem Endorphine für diesen emotionalen Höhenflug verantwortlich seien. Diese vom Körper produzierten Moleküle werden häufig mit einer Art natürlichem Schmerzmittel verglichen – nicht ganz zu Unrecht, da sie nachgewiesenermaßen schmerzlindernd wirken. Allerdings hat sich in Studien gezeigt, dass Endorphine zwar vermehrt ins Blut gelangen, ihre Wirkung auf das Gehirn jedoch begrenzt ist: Sie passieren die sogenannte Blut-Hirn-Schranke nur schwer. Die Annahme, allein Endorphine seien der Schlüssel zum Runner’s High, erweist sich daher als zu kurz gegriffen.
Endocannabinoide rücken ins Rampenlicht
In den vergangenen Jahren verschoben sich die Forschungsinteressen zunehmend hin zu den Endocannabinoiden. Diese körpereigenen Substanzen ähneln chemisch den Wirkstoffen aus Cannabis – werden jedoch ganz natürlich im Organismus produziert und können problemlos ins Gehirn gelangen. Messungen an Ausdauersportlern belegen einen deutlichen Anstieg dieser Botenstoffe während intensiver Belastung. Mehrere Faktoren erklären, warum Endocannabinoide mittlerweile als Hauptverantwortliche gelten:
- Dämpfung der Schmerzwahrnehmung bei langem Laufen
- Spürbare Senkung von Stress sowie Angstgefühlen
- Deutlich gesteigertes Gefühl des allgemeinen Wohlbefindens
Zwischen Mythos und individueller Erfahrung
Doch trotz aller Faszination bleibt das Runner’s High ein rares Erlebnis. Wissenschaftliche Daten legen nahe, dass es keineswegs jeder Sportler erlebt – vielmehr hängt das Auftreten von zahlreichen Variablen ab: Trainingsstand, Intensität und Dauer des Laufens spielen eine wesentliche Rolle. Für viele bleibt der euphorische Zustand aus oder zeigt sich nur abgeschwächt.
Der Reiz des Mythos lebt jedoch weiter: Zwischen biologischen Mechanismen und subjektiven Empfindungen bleibt das Runner’s High ein spannendes Phänomen am Schnittpunkt zwischen Körper und Geist – vielschichtig, selten eindeutig und weiterhin Gegenstand intensiver Forschung.