Amazon verringert deutlich USPS Lieferungen: Auswirkungen und Hintergründe

Amazon / PR-ADN
Der Online-Riese Amazon verringert in großem Umfang seine Paketzustellungen über den US-Postdienst USPS. Diese Entscheidung könnte weitreichende Auswirkungen auf die Logistikbranche und die Zustellpartnerschaften in den Vereinigten Staaten haben.
TL;DR
- Amazon reduziert Lieferungen über USPS drastisch.
- Neuer Postmaster General setzt auf Ausschreibungen.
- Beide Partner stehen vor finanzieller Unsicherheit.
Historischer Umbruch im US-Logistiksektor
Die langjährige Zusammenarbeit zwischen Amazon und dem US Postal Service (USPS) steht an einem Wendepunkt. Noch im vergangenen Jahr wickelte die staatliche Post rund 15 Prozent ihrer gesamten Paketzustellungen für den E-Commerce-Riesen ab. Doch wie aus Berichten des Wall Street Journal hervorgeht, plant Amazon, das Paketvolumen über die USPS in diesem Jahr um fast zwei Drittel zu senken – ein Schritt, der das Fundament der US-amerikanischen Logistikbranche erschüttert.
Abruptes Ende der Verhandlungen und neue Ausrichtung bei USPS
Überraschend hatte die Leitung der USPS, nach mehr als zwölf Monaten intensiver Gespräche, den Dialog mit Amazon im Dezember abgebrochen. Der Online-Handelskonzern betont: Das Ziel sei stets gewesen, das Versandvolumen mit dem traditionellen Partner auszubauen – doch plötzlich wurde man vor vollendete Tatsachen gestellt. Hintergrund dieser Kehrtwende ist die Ernennung von David Steiner, der seit Mai 2025 als neuer Postmaster General eine strategische Neuausrichtung verfolgt. Anstelle direkter bilateraler Verträge setzt er nun auf ein offenes Ausschreibungssystem für die sogenannte „letzte Meile“. Diese Vorgehensweise soll laut Steiner für alle Partner eine lokal optimierte Preisgestaltung gewährleisten.
Zukunft von Amazon-Logistik bleibt unsicher
Die abrupten Veränderungen zwingen Amazon, massive Anpassungen in der eigenen Lieferstruktur vorzunehmen. Unternehmenskreisen zufolge können zusätzliche Kapazitäten für Hunderte Millionen Pakete keinesfalls kurzfristig geschaffen werden; erhebliche Investitionen seien nötig. Obwohl sich der Konzern bereits im Februar am neuen Ausschreibungsverfahren beteiligte, wartet man weiterhin auf eine klare Entscheidung seitens der Post. Die daraus entstehende Unsicherheit trifft insbesondere die langfristige Planung der Amazon-Logistik. Nicht unwichtig: Der bestehende Vertrag zwischen beiden Parteien läuft noch bis Ende September 2026, verbindliche Ausschreibungsergebnisse werden aber frühestens im zweiten Quartal desselben Jahres erwartet.
Kritische finanzielle Lage bei USPS und politische Debatten
Parallel dazu spitzt sich die finanzielle Lage des staatlichen Dienstleisters zu: Im letzten Geschäftsjahr belief sich das Defizit auf über neun Milliarden Dollar. Vor dem US-Kongress forderte Postchef Steiner umfassende Maßnahmen – darunter eine Erhöhung des gesetzlichen Schuldenlimits, steigende Porto-Gebühren sowie eine Anpassung der Rentenzusagen.
Mehrere Faktoren erklären diese angespannte Situation:
- Kostendruck durch sinkende Versandvolumen großer Kunden wie Amazon
- Anhaltender Reformstau und hohe Pensionslasten bei USPS
- Zunehmender Wettbewerbsdruck im amerikanischen Logistikmarkt
Das künftige Verhältnis zweier amerikanischer Giganten bleibt somit von Unsicherheiten geprägt – sowohl unternehmerisch als auch politisch.