Blutstammzellen bei Mäusen: Neue Methode zur Verjüngung entdeckt

ADN
Wissenschaftler haben bei Mäusen einen bedeutenden Fortschritt erzielt: Es gelang ihnen, alternde blutbildende Stammzellen zu verjüngen. Diese Erkenntnisse könnten künftig neue Ansätze zur Behandlung altersbedingter Erkrankungen beim Menschen ermöglichen.
TL;DR
- Lysosomenstörung beschleunigt Alterung von Blutstammzellen.
- Concanamycine A reaktiviert alte Zellen bei Mäusen.
- Potenzial für verbesserte Immunität und Transplantationen.
Neue Ansätze gegen das Altern der Blutstammzellen
Jahrzehntelang galt es als unumstößlich: Mit steigendem Lebensalter erlahmt die Leistungsfähigkeit unserer Blutstammzellen. Sie sind tief im Inneren der Knochenmarkhöhlen verborgen und sichern dort beständig die Erneuerung unseres Blutes – bis sie schließlich ermüden. Diese Schwäche äußert sich nicht nur in einer geringeren Immunabwehr, sondern auch in einem erhöhten Risiko für Anämien und bestimmte Krebserkrankungen. Doch eine jüngste Entdeckung rückt das scheinbar Unvermeidliche in ein neues Licht.
Lysosomen als Schlüsselfaktor im Zellverfall
Im Zentrum dieser Erkenntnisse stehen die Lysosomen, die als innerzelluläre „Recyclingzentralen“ fungieren. Die Forschungsgruppe um die Biologin Saghi Ghaffari von der Icahn School of Medicine at Mount Sinai sowie der Université Paris Cité stellte fest, dass gerade bei alternden Mäusen diese Lysosomen deutlich saurer werden. Dieser veränderte pH-Wert behindert ihre Funktion, wodurch die Blutstammzellen in einen Zustand erhöhter Aktivität geraten. Das eigentlich schützende Gleichgewicht – auch „Quieszenz“ genannt – geht verloren, und so verkürzt sich ihr Regenerationspotenzial.
Reaktivierung durch gezielte Behandlung möglich?
Die Forscherinnen und Forscher testeten einen innovativen Ansatz: Mit dem Wirkstoff Concanamycine A behandelten sie alternde Stammzellen außerhalb des Körpers und übertrugen sie anschließend zurück in die jeweiligen Tiere. Das Ergebnis war überraschend deutlich: Die Fähigkeit dieser Zellen zur Bildung neuer Blutzellen vervielfachte sich – teils um das Achtfache. Mehr noch: Nach der Behandlung verhielten sich die ehemals alten Zellen wieder ähnlich wie jene junger Mäuse – mit ausgeglichener Zellproduktion und gestärktem Immunsystem.
Mehrere Faktoren erklären diese Wirkung:
- Lysosomenfunktion normalisiert, Säurehaushalt stabilisiert.
- Zellproduktion reguliert, Risiken für Immunschwäche reduziert.
- Transplantationspotenzial steigt, selbst mit gealterten Zellen.
Blick nach vorn: Chancen und Vorsicht geboten
Zwar unterstreicht Saghi Ghaffari, dass gestörte Lysosomen offenbar eine zentrale Rolle im Zellalterungsprozess spielen. Doch trotz aller Euphorie mahnt die Wissenschaftlerin zur Geduld: Bislang liegen sämtliche Befunde lediglich aus Versuchen an Mäusen vor. Dennoch könnte eine gezielte Regulation des lysosomalen Gleichgewichts künftig sowohl das Risiko altersbedingter Erkrankungen senken als auch neue Wege in der Stammzelltherapie eröffnen – vielleicht sogar bei Patienten, deren Zellen bislang als zu alt galten.