Kann Liebeskummer tödlich sein? Fakten zum Broken-Heart-Syndrom

ADN
Der Tod von Marjane Satrapi wirft Fragen zur Kraft emotionaler Belastungen auf. Kann Liebeskummer tatsächlich so stark sein, dass er gesundheitliche Folgen hat oder sogar tödlich endet? Experten diskutieren die Auswirkungen intensiver Trauer auf Körper und Seele.
TL;DR
- Syndrom des gebrochenen Herzens trifft meist Frauen nach den Wechseljahren.
- Starke emotionale Belastungen können Tako-tsubo auslösen.
- Schnelle Diagnose führt meist zu vollständiger Genesung.
Emotion und Herz: Das unterschätzte Risiko
Der plötzliche Tod nach einem schweren Verlust wirft immer wieder Fragen auf, zuletzt im Zusammenhang mit dem Ableben der Künstlerin Marjane Satrapi nur ein Jahr nach ihrem Ehemann. Schnell kommt dabei das sogenannte Syndrom des gebrochenen Herzens – medizinisch als Tako-tsubo-Syndrom bezeichnet – ins Gespräch. Im Unterschied zum klassischen Herzinfarkt handelt es sich dabei nicht um eine verstopfte Arterie, sondern um eine durch massiven emotionalen Stress ausgelöste, vorübergehende Funktionsstörung des Herzens. Wie die renommierte Kardiologin Claire Mounier-Véhier, Mitbegründerin der Stiftung Agir pour le cœur des femmes, erklärt, ist beim Tako-tsubo das linke Herzventrikel plötzlich gelähmt.
Vor allem Frauen nach den Wechseljahren betroffen
Auffällig ist: Überwiegend erleiden Frauen dieses „Stressinfarkt“-Phänomen, insbesondere jene nach der Menopause. Der Rückgang von Östrogen entzieht dem weiblichen Organismus einen natürlichen Schutzschild für das Herz. Statistiken zeigen, dass rund 80 Prozent der Betroffenen weiblich sind. Dabei spielen neben hormonellen Veränderungen auch psychische Faktoren eine Rolle.
Mehrere Auslöser rücken in den Fokus:
- Plötzlicher Verlust eines Angehörigen oder Partners
- Erschütternde Nachrichten wie Krankheitsdiagnosen
- Dauerhafte psychische Belastungen und chronischer Stress
Starker Stress als Auslöser: Zahlen und Entwicklungen
Akute emotionale Erschütterungen – etwa Trauer, Trennungen oder Schocks – können innerhalb von 48 Stunden zu einem Tako-tsubo führen. Besonders gefährdet sind Menschen mit bestehenden Angststörungen oder Depressionen. Interessanterweise stieg während der Corona-bedingten Ausgangssperren am CHU Lille die Zahl der Fälle um das Fünffache, was den engen Zusammenhang zwischen seelischer Belastung und Herzgesundheit verdeutlicht.
Aussichten und Behandlungsmöglichkeiten
Das Positive: Wird das Syndrom frühzeitig erkannt, bestehen sehr gute Heilungschancen. Plötzliche und starke Brustschmerzen sollten keinesfalls ignoriert werden – rasche medizinische Abklärung ist hier zwingend erforderlich. Die Therapie setzt sich häufig aus psychologischer Betreuung und gegebenenfalls einer medikamentösen Behandlung zusammen. Obwohl das Tako-tsubo-Syndrom etwa drei Prozent aller bei Frauen dokumentierten Infarkte ausmacht, kommt es bei rechtzeitiger Behandlung kaum zu Rückfällen.
Ein gebrochenes Herz kann also tatsächlich lebensgefährlich werden – heute jedoch ist dieses Phänomen dank moderner Medizin weder ein Mythos noch ein unabwendbares Schicksal.