Wissenschaftliche Erklärung: Warum Minze für kühlen Frischekick im Mund sorgt

ADN
Die charakteristische Kühle, die beim Genuss von Minze im Mund entsteht, ist kein Zufall: Wissenschaftler haben herausgefunden, welche biochemischen Prozesse hinter dem erfrischenden Gefühl stecken und wie Menthol unser Temperaturempfinden beeinflusst.
TL;DR
- Menthol erzeugt eine starke Kälte-Illusion im Mund.
- Seine Wirkung wird gezielt in Zahnpasta und Sport genutzt.
- Wissenschaft diskutiert mögliche Vorteile und Risiken beim Sporteinsatz.
Kühle Illusion: Das Geheimnis hinter Menthol
Die meisten kennen das eigentümliche Frischegefühl, das nach dem Zähneputzen mit einer mint-haltigen Zahnpasta zurückbleibt. Plötzlich erscheint das Trinkwasser eisig, die Raumluft wirkt schärfer. Verantwortlich dafür ist eine besondere Wechselwirkung im Körper: Die Substanz Menthol, die natürlich in der Minzpflanze vorkommt, aktiviert spezifische Kälterezeptoren – genauer gesagt, die sogenannten TRPM8-Rezeptoren. Eigentlich reagieren diese auf echte Kälte, doch Menthol erzeugt bei Berührung mit Schleimhäuten lediglich das Gefühl von Frost.
Sinnestäuschung als Erfolgsrezept für Produkte
Was auf den ersten Blick nach Zauberei klingt, hat längst Eingang in zahlreiche Alltagsprodukte gefunden. Zahnpasten, Lutschpastillen oder Kaugummis nutzen gezielt diese sensorische Täuschung, um ein Gefühl von Reinheit und frischem Atem zu verstärken. Besonders beliebt ist Menthol auch in Produkten, die Linderung bei Erkältungen versprechen oder gereizte Haut beruhigen sollen. Dabei gilt:
- Es suggeriert Atemfreiheit in Pastillen und Erkältungscremes.
- Bietet kurzfristige Linderung bei Hautirritationen als sogenannter „Gegenreiz“.
- Steigert den Frischeeindruck bei Zahnpflegeprodukten und Kaugummis.
Bemerkenswert ist zudem der therapeutische Nutzen: Studien legen nahe, dass äußerlich aufgetragenes Menthol Muskel- oder Nervenschmerzen tatsächlich mindern kann.
Einsatz im Sport – Fluch oder Segen?
Seit Kurzem rückt Menthol vermehrt ins Blickfeld von Sportwissenschaftlern. Neue Forschungsergebnisse aus Australien – insbesondere von Christopher Stevens an der Southern Cross University – zeigen: Ein mentholhaltiges Mundspülmittel kann Hitzegefühl bei Läufern abmildern und so subjektiv die Ausdauer verbessern. Überraschend ist dabei weniger die tatsächliche Temperaturveränderung als vielmehr die gesteigerte Leistungswahrnehmung – manchmal effektiver als echte Kühlung etwa durch Eisschlürfen. Das Australian Institute of Sport ordnet solche Anwendungen jedoch noch als experimentell ein. Kritische Stimmen warnen: Wer sich weniger erhitzt fühlt, überschreitet womöglich unbewusst seine körperlichen Grenzen.
Blick nach vorn: Wachsende Bedeutung von Menthol
Obwohl bislang keine negativen Zwischenfälle dokumentiert wurden und internationale Experten den Einsatz von Menthol im Sport tolerieren, könnte dessen zunehmende Verbreitung bald strengere Beurteilungen nach sich ziehen. Der allgegenwärtige Frischekick bleibt also faszinierend – aber ein genauer Blick auf die Inhaltsstoffe lohnt sich immer wieder.