Sind Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll beim Abnehmen? Expertenmeinung

ADN
Viele Menschen setzen beim Abnehmen auf Nahrungsergänzungsmittel. Doch wie sinnvoll ist die Kombination solcher Präparate mit klassischen Schlankheitskuren wirklich? Eine Expertin bewertet Chancen und Risiken und gibt Orientierung im unübersichtlichen Markt.
TL;DR
- GLP-1-Injektionen fördern wirksam die Gewichtsabnahme.
- Erhöhte Sorge um mögliche Nährstoffmängel.
- Spezieller Nahrungsergänzung kaum sinnvoll ohne ärztliche Diagnose.
Rasanter Aufstieg der GLP-1-Injektionen
Seit einiger Zeit erleben sogenannte GLP-1-Injektionen, ursprünglich für Menschen mit Typ-2-Diabetes entwickelt, eine außergewöhnliche Popularität. Namen wie Ozempic sind längst nicht mehr nur Insidern aus spezialisierten Kliniken geläufig, sondern begegnen uns heute auf Werbeplakaten und in sozialen Medien. Die Wirkung dieser Medikamente beruht darauf, das Peptidhormon „glucagon-like 1“ zu imitieren, was das Sättigungsgefühl verstärkt und den Appetit dämpft – ein Mechanismus, der eine deutliche Gewichtsabnahme bei vielen Nutzern ermöglicht.
Nährstoffmängel: Reale Gefahr oder überschätztes Risiko?
Mit dem wachsenden Kreis der Anwender wird jedoch auch die Diskussion um potenzielle Nährstoffdefizite lauter. Diverse Studien deuten darauf hin, dass einige Patienten im Laufe der Anwendung wichtige Vitamine und Mineralstoffe – darunter Vitamin A, C, D, E, K sowie Eisen, Calcium oder Zink – seltener aufnehmen. Die Häufigkeit solcher Mängel schwankt allerdings beträchtlich zwischen den Untersuchungen; je nach Quelle ist von weniger als einem Prozent bis zu mehr als 20 Prozent der Betroffenen die Rede. Maßgeblich dafür ist oft schlicht die reduzierte Gesamtaufnahme von Nahrung. Dennoch bleibt offen, ob tatsächlich ein direkter Zusammenhang besteht, da viele Auswertungen lediglich statistische Korrelationen präsentieren.
Nahrungsergänzungsmittel: Hype oder Notwendigkeit?
Mehrere Faktoren erklären diese Unsicherheit und die wachsende Vermarktung spezieller Produkte:
- Zunehmende Sorgen vor versteckten Mangelerscheinungen.
- Anbieter preisen teure „GLP-1 Support“-Präparate als unverzichtbar an.
- Bisher fehlen eindeutige wissenschaftliche Nachweise für den Nutzen dieser speziellen Ergänzungen.
Fachleute betonen vielmehr, dass im Regelfall eine abwechslungsreiche Ernährung mit Obst, Gemüse und verschiedenen Proteinquellen genügt. Lediglich bei bestätigten Defiziten – etwa Vitamin-D-Mangel im Winter – könne ein klassisches Supplement sinnvoll sein. Aufwändige Spezialprodukte erscheinen somit meist verzichtbar.
Klarheit durch individuelle Beratung
Wer eine Behandlung mit GLP-1-Präparaten beginnt oder fortsetzt, sollte auf eine persönliche Betreuung durch einen qualifizierten Ernährungsprofi setzen. Nur so lassen sich tatsächliche Bedürfnisse erkennen und passende Empfehlungen ableiten. Der Griff zu Nahrungsergänzungsmitteln ohne fundierte Diagnose birgt hingegen kaum Vorteile – außer für die Anbieter solcher Produkte.