Durchbruch: Wirksamer Pilzstoff gegen Krebs jetzt erstmals synthetisiert

ADN
Mehr als fünf Jahrzehnte nach seiner Entdeckung ist es Forschern erstmals gelungen, einen vielversprechenden, krebshemmenden Wirkstoff aus einem Pilz künstlich herzustellen. Diese Entwicklung könnte neue Wege in der Krebsbehandlung eröffnen.
TL;DR
- Verticillin A erstmals synthetisch hergestellt.
- Neue Hoffnung bei pädiatrischen Hirntumoren.
- Weg frei für innovative Krebstherapien.
Ein Durchbruch in der Wirkstoffforschung
Mehr als fünfzig Jahre lang blieb die gezielte Herstellung von verticillin A – einer seltenen, für ihre antikrebswirksamen Eigenschaften bekannten Molekülstruktur – unerreichbar. Erst jetzt ist es einem Forschungsteam des MIT und der Harvard Medical School gelungen, diese komplexe Substanz im Labor zu synthetisieren. Ursprünglich wurde der Wirkstoff nur in winzigen Mengen aus einem speziellen Pilz isoliert, was die medizinische Nutzung weitgehend verhinderte.
Lösung eines chemischen Rätsels
Die Herausforderung bestand in der außergewöhnlichen Struktur des Moleküls: Als sogenannter „Dimer“ besteht es aus zwei identischen Hälften, deren dreidimensionale Verbindung extrem instabil ist. Gerade diese instabile Bindung erschwerte jede Produktionsmethode erheblich. Der Chemiker Mohammad Movassaghi, der das Projekt leitete, erklärt, dass erst nach jahrelanger Optimierung und sorgfältiger Anpassung vorhandener Synthesestrategien der Durchbruch gelang. Die Forschenden mussten nicht nur die Reihenfolge der einzelnen Schritte neu denken, sondern auch besonders empfindliche Bindungen schützen und erst im richtigen Moment funktionelle Gruppen freisetzen. Am Ende war eine sechzehnstufige Synthese notwendig, um die exakte Zielstruktur herzustellen.
Pionierarbeit bei Therapien gegen kindliche Hirntumoren
Diese technische Meisterleistung hat direkte Auswirkungen auf die Onkologie: Plötzlich steht genügend verticillin A für umfassende pharmakologische Untersuchungen zur Verfügung. Erste Laborversuche an Zellen des diffusen Mittellinienglioms (DMG) – einem seltenen und schwer behandelbaren Hirntumor bei Kindern – zeigen bereits vielversprechende Ergebnisse: Die Substanz wirkt selektiv zytotoxisch und greift gezielt relevante Tumorproteine an.
Blick in die Zukunft der Naturstoffforschung
Mehrere Faktoren erklären diese neue Dynamik:
- Synthetische Varianten von verticillin A erlauben ein breiteres Testspektrum.
- Interdisziplinäre Teams vereinen Expertise aus Chemie, Biologie und klinischer Anwendung.
- Zugang zu ehemals unzugänglichen Naturstoffen eröffnet innovative Therapieoptionen.
Wie der biologische Chemiker Jun Qi betont, könnte gerade das Zusammenspiel dieser Kompetenzen künftig den Weg für neuartige Krebstherapien ebnen. Obwohl weiterhin Forschungsbedarf besteht, markiert dieser Erfolg einen bedeutenden Schritt hin zur medizinischen Nutzung bisher kaum verfügbarer natürlicher Substanzen.