Käseverzehr senkt Demenzrisiko: Was Sie unbedingt wissen sollten

ADN
Käsesorten gelten zunehmend als mögliche Schutzfaktoren gegen Demenz, doch aktuelle Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass der Zusammenhang differenzierter betrachtet werden muss und nicht für alle Bevölkerungsgruppen gleichermaßen gilt.
TL;DR
- Studie: Viel Käse kann Demenzrisiko senken.
- Schutzeffekt nur ohne Alzheimer-Gen beobachtet.
- Ausgewogene Ernährung bleibt entscheidend.
Neue Erkenntnisse zum Zusammenhang von Käsekonsum und Demenzprävention
Über Jahre hinweg empfahlen Fachgesellschaften, vor allem fettarme Molkereiprodukte zu verzehren, um das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen – und damit indirekt auch für Demenz – möglichst gering zu halten. Doch eine aktuelle Langzeitstudie aus Schweden stellt gängige Überzeugungen infrage: Menschen, die täglich mehr als 50 Gramm vollfetten Käse sowie über 20 Gramm Sahne konsumierten, hatten ein deutlich niedrigeres Demenzrisiko als Vergleichsgruppen.
Käse schützt nicht alle: Genetische Faktoren im Blick
Allerdings greift diese positive Wirkung nicht bei jedem gleichermaßen. Die Schutzfunktion zeigte sich ausschließlich bei Personen ohne nachgewiesene genetische Veranlagung für die Alzheimer-Erkrankung. Wer das entsprechende Risikogen trägt, profitiert laut den schwedischen Forschern offenbar nicht von einem gesteigerten Käsekonsum. Auch internationale Studien zeichnen ein uneinheitliches Bild: Während einige Untersuchungen aus Japan einen schwachen Nutzen vermuten lassen – oft allerdings bei sehr geringen Mengen oder mit potenziellen Interessenskonflikten durch Branchenfinanzierung – berichten finnische Forscher immerhin von einer 28-prozentigen Risikoreduktion bei Männern, die regelmäßig Käse aßen.
Blick auf mögliche Verzerrungen und Lebensstilfaktoren
Bevor jedoch voreilige Empfehlungen ausgesprochen werden, gilt es methodische Einschränkungen zu beachten. Denn viele Untersuchungen stützen sich auf Selbstauskünfte zum Ernährungsverhalten. Früh einsetzende kognitive Beeinträchtigungen könnten dabei Erinnerungsfehler verursachen. In der schwedischen Studie wurden deshalb gezielt Probanden mit frühen Anzeichen einer Demenz ausgeschlossen und die Analyse entsprechend angepasst.
Mehrere Faktoren erklären diese Entscheidung:
- Käseliebhaber waren häufiger besser gebildet.
- Sie litten seltener unter Übergewicht oder Vorerkrankungen wie Diabetes.
- Ihr gesamter Lebensstil war meist bereits günstiger für die Gehirngesundheit.
Käse als Teil eines ausgewogenen Speiseplans
Obwohl Vollfettkäse wertvolle Nährstoffe wie Vitamin A, D, K2 und B12 enthält, genügt dies nicht als Argument für eine gezielte Erhöhung des Konsums zur Prävention von Demenz oder Herzleiden. Experten betonen vielmehr einen altbewährten Grundsatz: Eine vielseitige, ausgewogene Ernährung – in der auch moderat verarbeiteter Käse neben Gemüse, Fisch und Obst seinen Platz hat – bleibt das beste Rezept gegen altersbedingten geistigen Abbau. Ein einzelnes Lebensmittel kann komplexe Erkrankungen niemals allein verhindern; entscheidend ist stets das gesamte Ernährungs- und Lebensmuster.