Warum Frankreich nach dem Brand in Crans-Montana ermittelt

ADN
Nach dem verheerenden Brand in Crans-Montana ermittelt nicht nur die Schweizer Polizei. Auch die französischen Behörden sind aktiv geworden, da unter den Opfern französische Staatsbürger sind und internationale Aspekte eine Rolle spielen.
TL;DR
- Tragisches Feuer in Crans-Montana fordert 40 Todesopfer.
- Neun französische Staatsbürger unter den Verstorbenen.
- Ermittlungen gegen französische Barbetreiber laufen.
Schweres Unglück überschattet Jahreswechsel
Der Start ins neue Jahr wurde im schweizerischen Crans-Montana von einer Tragödie überschattet, die sowohl die lokale Gemeinschaft als auch zahlreiche Familien aus Frankreich tief erschütterte. In den frühen Morgenstunden des Neujahrstages brach im Untergeschoss des Etablissements Le Constellation ein verheerender Brand aus. Nach Angaben der Polizei des Kantons Wallis verloren dabei vierzig Menschen ihr Leben – darunter mehr als zwanzig Minderjährige. Besonders erschütternd: Die Hälfte der Opfer stammte aus dem Ausland, viele besaßen die französische Staatsbürgerschaft.
Betroffenheit weit über die Grenze hinaus
Unter den Verstorbenen befinden sich neun französische Staatsangehörige, darunter mehrere Jugendliche. Weitere 23 Franzosen wurden verletzt, einige davon schwer. Die französische Oberstaatsanwältin Laure Beccuau äußerte öffentlich ihre Anteilnahme und betonte das Engagement des Pariser „Pôle accidents collectifs“, um betroffene Familien zu unterstützen und die Kommunikation mit den Schweizer Behörden zu erleichtern. Mehrere Faktoren erklären diese grenzüberschreitende Zusammenarbeit:
- Sicherstellung einer sensiblen Betreuung trauernder Angehöriger,
- bessere Koordination juristischer Schritte in beiden Ländern,
- schneller Zugang zu Informationen für Hinterbliebene.
Ermittlungen richten sich gegen Barbetreiber
Nach bisherigen Erkenntnissen der Ermittler entzündeten sogenannte „Fontänenkerzen“, die während der Feierlichkeiten eingesetzt wurden, das tödliche Feuer. Die Einrichtung gehörte zwei Franzosen – Jacques und Jessica Moretti. Gegen beide laufen Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung, Körperverletzung und fahrlässiger Brandstiftung. Überraschenderweise bleiben sie bislang auf freiem Fuß; Haft oder Hausarrest wurden nicht angeordnet. Diese Entscheidung ruft in Teilen der Öffentlichkeit und unter Betroffenen Unverständnis hervor.
Zuspruch und Gedenken für die Hinterbliebenen
Angesichts dieses beispiellosen Verlusts greifen unterschiedliche Hilfsangebote: Das zentrale Büro zur Bekämpfung von Gewalt gegen Personen (OCRVP) koordiniert in Frankreich die Ermittlungen, während die Organisation France Victimes psychologische und rechtliche Unterstützung leistet. Zum Gedenken an die Opfer ist eine Trauerfeier in der Schweiz geplant – mit der angekündigten Teilnahme von Präsident Emmanuel Macron, was das grenzübergreifende Gewicht dieses Unglücks einmal mehr unterstreicht.