Schadstoffe in der Schwangerschaft: 42 PFAS bei ungeborenen Babys nachgewiesen

ADN
Eine aktuelle Untersuchung zeigt, dass zahlreiche langlebige Schadstoffe bereits ungeborene Kinder im Mutterleib erreichen. Insgesamt wurden 42 sogenannte ewige Chemikalien festgestellt, die das Risiko für gesundheitliche Beeinträchtigungen bei Babys erhöhen könnten.
TL;DR
- Neue Analyse entdeckt 42 PFAS-Verbindungen im Nabelschnurblut.
- Pränatale Exposition ist komplexer als bisher angenommen.
- Gesundheitsrisiken für Neugeborene bleiben weitgehend unerforscht.
Unsichtbare Gefahr: PFAS-Belastung schon vor der Geburt
Kaum ein Bereich des modernen Lebens bleibt heute noch frei von sogenannten PFAS, jenen langlebigen Chemikalien, die oft als „Ewigkeitschemikalien“ bezeichnet werden. Seit Jahrzehnten nutzen Industrieunternehmen diese Stoffgruppe für alles – von Lebensmittelverpackungen über Möbelstoffe bis hin zu wasserabweisenden Textilien. Ihr dauerhafter Verbleib in Umwelt und Organismen wird zunehmend zum globalen Problem, das auch den allerschwächsten Mitgliedern unserer Gesellschaft nicht erspart bleibt.
Zahl der nachgewiesenen Substanzen vervielfacht sich
Ein Forschungsteam aus den USA und Kanada hat nun mit einer neuen, erweiterten Analysemethode das Ausmaß dieser Belastung deutlich gemacht: Statt wie bisher üblich nur acht verschiedene PFAS im Blut von Neugeborenen zu messen, konnten bei 120 untersuchten Babys ganze 42 unterschiedliche Verbindungen identifiziert werden. Nur vier davon waren beiden Methoden gemeinsam. Biostatistikerin Shelley Liu vom Icahn School of Medicine at Mount Sinai betont, wie stark die Wahl der Messmethode unsere Einschätzung des tatsächlichen Risikos beeinflusst.
Bedeutung für pränatale Gesundheitsrisiken
Bislang wurde angenommen, dass insbesondere das erstgeborene Kind einer Mutter höheren Konzentrationen dieser Chemikalien ausgesetzt ist. Doch sobald der Blickwinkel auf ein breiteres Spektrum gerichtet wird, verschwindet dieser Unterschied – offenbar ist die pränatale Exposition weitaus vielfältiger und allgegenwärtiger als gedacht. Mehrere Aspekte werfen zusätzliche Fragen auf:
- Zahlreiche nachgewiesene PFAS wurden bislang kaum erforscht.
- Bisherige Studien deuten auf Risiken wie Nierenfunktionsstörungen oder Wachstumsverzögerungen hin.
- Mögliche Veränderungen an der Gehirnstruktur stehen im Raum.
Regulatorische Herausforderungen und Ausblick
Während einzelne Staaten bereits bestimmte PFAS-Typen regulieren, tauchen umgehend neue Varianten auf dem Markt auf – ein Wettlauf gegen einen kaum greifbaren Gegner. Die Weiterentwicklung analytischer Werkzeuge könnte künftig helfen, reale Belastungen exakter zu bestimmen und gezielter gegenzusteuern. Doch klar ist: Die umfassende Kontamination mit diesen Chemikalien verlangt dringend nach einer gründlicheren Neubewertung ihrer gesundheitlichen Relevanz, gerade in so sensiblen Lebensphasen wie der Schwangerschaft.