Antidiabetikum zeigt überraschende Wirkung auf das Gehirn nach Jahrzehnten

ADN
Eine seit Jahrzehnten zur Behandlung von Diabetes eingesetzte Substanz zeigt überraschende Auswirkungen auf das Gehirn. Neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass das Medikament bisher unbekannte Effekte auf die kognitive Gesundheit entfalten könnte.
TL;DR
- Metformin wirkt auch im Gehirn, nicht nur im Körper.
- Protein Rap1 im VMH ist entscheidend für die Wirkung.
- Zielgerichtete Therapien für Diabetes könnten künftig möglich werden.
Neue Perspektiven auf einen bewährten Klassiker
Die Metformin-Tablette ist seit Jahrzehnten ein Grundpfeiler in der Behandlung von Typ-2-Diabetes. Bisher nahm die Fachwelt an, dass das Medikament vor allem über eine Drosselung der Zuckerproduktion in der Leber und eine verbesserte Insulinverwertung im Körper wirkt. Doch eine aktuelle Untersuchung von Forschenden des Baylor College of Medicine aus den USA rückt nun einen bisher kaum beachteten Schauplatz ins Zentrum: das Gehirn.
Der Hypothalamus als Schaltzentrale
Im Fokus der neuen Studie steht der ventromediale Hypothalamus (VMH), eine Hirnregion, die maßgeblich am Zuckerstoffwechsel beteiligt ist. Hier wurde insbesondere die Rolle des Proteins Rap1 untersucht. Überzeugende Hinweise liefern Versuche mit Mäusen: Wurde ihnen Metformin verabreicht, beeinflusste das Mittel direkt diese Hirnstruktur, indem es Rap1 „abschaltete“ und dadurch die Überzuckerung senkte. Bei Tieren, denen dieses Protein im Gehirn fehlte, blieb der gewünschte Effekt hingegen völlig aus – andere Antidiabetika wirkten aber weiterhin.
Therapieansätze der Zukunft dank SF1-Neuronen?
Mehrere Faktoren erklären diese neue Sichtweise:
- SF1-Neuronen: Sie werden durch Metformin aktiviert und könnten gezielt therapeutisch angesprochen werden.
- Mögliche Nebenwirkungen ließen sich so zukünftig besser kontrollieren.
- Anwendungsbereiche jenseits des Diabetes – etwa beim Thema Alterung – rücken näher.
Den Ergebnissen zufolge könnte es gelingen, speziell jene Nervenzellen zu adressieren, die für den antidiabetischen Effekt verantwortlich sind. Die Idee: Noch gezieltere Präparate entwickeln und damit Wirkpotenziale steigern sowie unerwünschte Effekte reduzieren.
Blick nach vorn: Personalisierte Medizin in Reichweite?
Ob diese Resultate auf den Menschen übertragbar sind, muss nun weiter erforscht werden. Der Leiter der Studie, Makoto Fukuda, betont jedoch: Das Paradigma verschiebt sich grundlegend – Metformin wirkt nicht nur peripher, sondern auch zentral über das Gehirn. Damit öffnen sich Türen zu neuen Behandlungsstrategien für Millionen von Patienten weltweit. Die vollständigen Ergebnisse wurden jüngst in Science Advances veröffentlicht.