Telemedizin-Kabinen in Apotheken: Zuverlässige Lösung bei Ärzte-Streik

ADN
Angesichts der anhaltenden Ärzteproteste suchen immer mehr Patientinnen und Patienten nach neuen Wegen, medizinische Beratung zu erhalten. Telekonsultationskabinen in Apotheken bieten dabei eine praktikable Lösung, um die Versorgung auch während Streiks sicherzustellen.
TL;DR
- Ärztestreik legt Praxen und Kliniken lahm.
- Télémédecine-Kabinen erleben verstärkte Nutzung.
- Fachleute warnen vor Risiken der Telemedizin.
Streik lähmt Gesundheitswesen: Folgen für Patienten
Seit dem 5. Januar 2026 sind zahlreiche Arztpraxen und private Kliniken in Frankreich wegen eines ungewöhnlich langen Streiks geschlossen. Auslöser sind die von den Gewerkschaften als unzureichend bewerteten Mittel der Sécurité sociale für das kommende Jahr und die Sorge um die eigene berufliche Autonomie. Mindestens zehn Tage soll der Ausstand dauern, einen Höhepunkt bildet eine geplante Großdemonstration am 10. Januar in Paris. Verschärft wird die Lage durch eine aktuelle Grippewelle, die das Gesundheitssystem zusätzlich belastet.
Télémédecine-Kabinen: Alternative in Krisenzeiten?
Angesichts des gravierenden Mangels an medizinischem Personal rücken sogenannte Télémédecine-Kabinen verstärkt in den Fokus. Diese von Unternehmen wie Tessan installierten Stationen ermöglichen es, mithilfe moderner Geräte (etwa Thermometer, Blutdruckmesser oder Dermatoskop) sowie einer sicheren Videoverbindung mit einem Arzt zu sprechen – direkt aus der Apotheke oder anderen Einrichtungen. Über 1.600 solcher Kabinen sind derzeit landesweit im Einsatz.
Der Ablauf ist klar geregelt: Nach dem Einlesen der Versichertenkarte füllen Patienten zunächst einen Fragebogen aus, bedienen anschließend unter Anleitung des Arztes die medizinischen Geräte selbst und erhalten bei Bedarf Unterstützung durch anwesende Apotheker.
Einschränkungen und Kritikpunkte aus Fachkreisen
Trotz wachsender Nutzerzahlen – besonders während Epidemien oder in ländlichen Regionen – bleibt die Akzeptanz geteilt. Mehrere Faktoren erklären diese Skepsis:
- Tessan hebt den Zugang zu über 400 kooperierenden Ärzten hervor.
- L’Assurance maladie betont, Telemedizin solle nur gelegentlich eingesetzt werden.
- Pierre-Olivier Variot vom Verband USPO warnt vor kommerziellen Missbräuchen und fordert strengere Kontrollen.
Die Nutzung ist gesetzlich limitiert: Maximal 20 Prozent der Tätigkeit dürfen über diese Fernkonsultationen erfolgen; das Honorar liegt bei 25 Euro pro Termin (klassische Besuche: 30 Euro). Üblicherweise übernimmt die Kasse mindestens 70 Prozent der Kosten.
Télémédecine zwischen Notlösung und Zukunftsmodell
Im Zentrum der Debatte steht jedoch weiterhin die Frage, ob Qualität und Menschlichkeit des Arzt-Patienten-Verhältnisses aufrechterhalten werden können. Während einige die Kabinen als pragmatische Übergangslösung sehen, mahnen Kritiker vor einem drohenden Verlust persönlicher Betreuung. Krankmeldungen etwa dürfen maximal für drei Tage ausgestellt werden – ein deutliches Zeichen für bestehende Vorbehalte.
In einer Phase, in der Notrufe bei Samu teils um bis zu 50 Prozent steigen, plädieren Experten dafür, Télémédecine-Angebote nur dort einzusetzen, wo klassische Versorgung fehlt. Denn trotz technischer Innovation ersetzen diese Kabinen nicht das persönliche Gespräch – sie bleiben ein Instrument zur Überbrückung außergewöhnlicher Engpässe im französischen Gesundheitssystem.