Wie Tattoos das Immunsystem beeinflussen: Neue wissenschaftliche Erkenntnisse

ADN
Erste wissenschaftliche Studien legen nahe, dass Tätowierungen nicht nur ästhetische Auswirkungen haben, sondern auch unser Immunsystem beeinflussen könnten. Forscher beginnen nun, die bislang wenig beachteten Wechselwirkungen zwischen Tattoos und körpereigener Abwehr näher zu untersuchen.
TL;DR
- Tattoo-Tinten enthalten oft bedenkliche chemische Stoffe.
- Pigmente können im Körper wandern und das Immunsystem beeinflussen.
- Strenge Regulierung und Forschung bleiben unzureichend.
Die unterschätzte Chemie moderner Tattoo-Tinten
Über die wachsende Beliebtheit von Tätowierungen in unseren Gesellschaften lässt sich kaum streiten – ebenso wenig wie über den Umstand, dass viele Aspekte der verwendeten Tattoo-Tinten bis heute wissenschaftlich ungeklärt sind. Zwar erscheint der künstlerische Eingriff zunächst harmlos, doch ein genauer Blick auf die Zusammensetzung der Farben offenbart eine Vielzahl potenziell problematischer Bestandteile. Was viele erstaunt: Zahlreiche Farbpigmente stammen ursprünglich aus der Industrie, wurden etwa für den Automobil- oder Kunststoffbereich entwickelt. Hinzu kommen häufig Metalle wie Nickel, Chrom oder Kobalt sowie Konservierungsstoffe und Lösungsmittel – Substanzen, deren gesundheitliche Risiken teils bekannt, teils noch wenig erforscht sind.
Pigmente auf Wanderschaft – Eine Herausforderung für den Körper
Neuere Studien zeigen klar: Die beim Stechen unter die Haut eingebrachten Pigmente verbleiben nicht an Ort und Stelle. Vielmehr gelangen sie über das Lymphsystem in andere Organe, etwa die Lymphknoten. Dort werden sie durch das Immunsystem erkannt – aber meist nicht entfernt. Gerade diese unerwartete Mobilität weckt Besorgnis, denn bislang fehlen gesicherte Erkenntnisse zu langfristigen Auswirkungen solcher Ablagerungen.
Mehrere Faktoren erklären die Sorge vieler Expertinnen und Experten:
- Anhaltende Entzündungsreaktionen oder Knotenbildung (vor allem bei roten Farbstoffen),
- Verzögerte Allergien nach Sonnenexposition oder bei Immunschwäche,
- Akkumulation von Pigmenten im Lymphgewebe mit unklarer Bedeutung.
Dauerbelastung fürs Immunsystem – offene Fragen in der Forschung
Der Versuch des Körpers, diese Fremdstoffe abzubauen, kann langfristige Immunreaktionen verursachen – etwa chronische Entzündungen oder granulomatöse Veränderungen. Interessanterweise gibt es Hinweise darauf, dass Tätowierungen sogar die lokale Wirksamkeit von Impfungen beeinträchtigen könnten. So wurde in einer aktuellen Studie ein abgeschwächter Impfeffekt gegen COVID-19 nach Injektion nahe tätowierter Haut beobachtet. Dennoch: Ein direkter Zusammenhang zwischen Tattoos und Krebs konnte bislang beim Menschen nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden; Hinweise auf ein erhöhtes Hautkrebsrisiko existieren allerdings.
Zaghafte Regulierung trifft auf boomenden Markt
Während die Europäische Union schrittweise strengere Regelungen für Tattoo-Farben einführt, bleibt außerhalb Europas häufig unklar, welche Inhaltsstoffe tatsächlich verwendet werden. Herstellende Unternehmen und Studios legen ihre Rezepturen selten offen. Diese Intransparenz erschwert eine verlässliche Risikobewertung erheblich. Angesichts der weltweiten Popularität fordern sowohl Wissenschaft als auch Gesundheitsbehörden inzwischen entschieden mehr Transparenz sowie verbindliche Grenzwerte für kritische Inhaltsstoffe – um potenzielle Gefahren für Millionen Tattoo-Fans künftig besser kontrollieren zu können.