Lebensmittelfarbstoffe in Joghurt und Suppen: Risiko für Krebs und Diabetes

ADN
Lebensmittelfarbstoffe sind in vielen Produkten wie Joghurt, Suppen und Konfitüren enthalten. Neue Erkenntnisse deuten darauf hin, dass ihr Verzehr das Risiko für Diabetes und Krebs erhöhen könnte und somit die öffentliche Gesundheit betrifft.
TL;DR
- Studie: Farbstoffe steigern Risiko für Krebs und Diabetes.
- Forderungen nach strengeren Additiv-Grenzwerten nehmen zu.
- Nutri-Score-Pflicht rückt als politische Maßnahme näher.
Gesundheitsrisiken durch Lebensmittelzusatzstoffe
Die jüngsten Erkenntnisse des Inserm werfen ein neues Licht auf den alltäglichen Konsum von Lebensmittelfarbstoffen. Eine groß angelegte Kohortenstudie, die unter der Leitung der Epidemiologin Mathilde Touvier durchgeführt wurde, untersuchte seit 2009 über 100.000 französische Teilnehmerinnen und Teilnehmer hinsichtlich ihres Konsums von Zusatzstoffen. Im Mittelpunkt stand dabei insbesondere die Gruppe der Farbstoffe mit den Nummern E100 bis E199. Die Ergebnisse deuten auf einen besorgniserregenden Zusammenhang zwischen einer erhöhten Aufnahme dieser Stoffe und dem Auftreten bestimmter Krankheiten hin.
Zahlreiche Krankheitsrisiken durch Farbstoffe und andere Additive
Die Studienresultate sind bemerkenswert klar: Wer regelmäßig größere Mengen an Lebensmittelfarbstoffen verzehrt, hat ein deutlich höheres Risiko für verschiedene Gesundheitsprobleme:
- Krebs: +14 % Erkrankungsrisiko insgesamt, bei Brustkrebs von Frauen sogar +21 %, nach der Menopause +32 %.
- Diabetes Typ 2: Das Risiko steigt um 38 %.
- Kardiovaskuläre Erkrankungen und Bluthochdruck: Bestimmte Konservierungsstoffe (E200-E299) erhöhen das Risiko um bis zu 24 % für Hypertonie und um 16 % für Herz-Kreislauf-Leiden.
Zusätzlich zur Warnung vor Farbstoffen richten die Forschenden ihr Augenmerk auch auf Konservierungs- und Antioxidationsmittel. Sie empfehlen daher, möglichst unverarbeitete oder nur geringfügig verarbeitete Nahrungsmittel zu bevorzugen.
Zunehmender Druck auf Politik und Industrie
Eine wachsende Zahl von Expertinnen und Experten sowie Organisationen fordert inzwischen strengere Grenzwerte oder gar ein Verbot bestimmter Zusatzstoffe – gerade dann, wenn sie nur der optischen Aufwertung dienen. Laut Foodwatch braucht es jetzt einen echten politischen Impuls. Kritisiert wird dabei insbesondere die fortgesetzte Verwendung umstrittener Stoffe wie Nitrite oder Aspartam und der „Mangel an politischem Mut“ in Anbetracht der bekannten Risiken.
Nährwertkennzeichnung als Hebel für Verbraucherschutz?
Vor diesem Hintergrund gewinnt die Debatte um eine verpflichtende Einführung des Nutri-Score-Labels an Fahrt. Acht Fraktionen rund um die Abgeordnete Sandrine Runel setzen sich dafür ein, dieses Kennzeichnungssystem zum Standard zu machen. Produzenten, die sich verweigern, müssten künftig mit einer Abgabe von zwei Prozent ihres Umsatzes rechnen. Immerhin sind laut Schätzungen bereits rund zwölf Milliarden Euro jährlich an Kosten durch ernährungsbedingte Krankheiten zu verzeichnen – ein Umstand, der eindrücklich unterstreicht, wie dringend eine bessere Information der Verbraucher ist.