Nasenspray als neue Hoffnung bei häufigem, tödlichem Hirntumor

ADN
Nasentropfen könnten eine vielversprechende neue Therapie für einen besonders häufigen und tödlichen Hirntumor darstellen. Wissenschaftler prüfen derzeit, ob diese Methode die Behandlungsmöglichkeiten für betroffene Patienten grundlegend verbessern kann.
TL;DR
- Innovative Nasentropfen gegen Glioblastom entwickelt.
- Nanotechnologie verstärkt Immunantwort im Tierversuch.
- Klinische Studien am Menschen stehen noch aus.
Hoffnungsschimmer bei aggressivem Hirntumor
Die Behandlung des Glioblastoms, der wohl bösartigsten und am weitesten verbreiteten Form von Hirntumoren, ist nach wie vor eine der größten Herausforderungen in der modernen Onkologie. Nur ein Bruchteil der Patienten – nach aktuellen Schätzungen etwa 6,9 Prozent – überlebt fünf Jahre nach der Diagnose. Grund hierfür sind insbesondere die Widerstandsfähigkeit der Tumorzellen gegenüber herkömmlichen Therapien sowie ihre Fähigkeit, das körpereigene Immunsystem zu umgehen.
Neue Wege durch innovative Nasentropfen
Angesichts dieser düsteren Aussichten sorgt eine Forschungsgruppe unter Leitung der Neurowissenschaftlerin Akanksha Mahajan an der Washington University für Aufsehen: Ihr Team setzt auf ein Verfahren, das Medikamente als Nasentropfen verabreicht und so auf nicht-invasive Weise das zentrale Nervensystem erreicht. Der Clou dabei ist die Anwendung modernster Nanotechnologie. Die Wirkstoffe, sogenannte STING-Agonisten, werden in genetisch programmierte Kügelchen mit einem Kern aus Gold-Nanopartikeln eingeschlossen. Dieses innovative Design soll nicht nur die Medikamentenaufnahme verbessern, sondern auch belastende chirurgische Eingriffe möglichst vermeiden.
Vielversprechende Ergebnisse in Mausmodellen
Die bislang durchgeführten Experimente an Mäusen zeigen beachtliche Resultate. Nach Gabe der Tropfen konnte im Tiermodell die Aktivierung des wichtigen STING-Signalwegs gemessen werden – ein Mechanismus, der gezielt die Immunabwehr gegen den Tumor ankurbelt und dessen Wachstum hemmt. In Kombination mit weiteren immunstimulierenden Substanzen ließ sich darüber hinaus ein nachhaltiger Schutz vor erneutem Tumorwachstum erzielen.
Mehrere Faktoren erklären diese Entwicklung:
- Das minimalinvasive Vorgehen schont Patienten und vermeidet wiederholte Gehirnoperationen.
- Zielgerichtete Immunaktivierung könnte Nebenwirkungen reduzieren.
- Kombinierte Therapiestrategien erhöhen die Wirksamkeit im Versuch deutlich.
Blick in die Zukunft: Menschliche Studien nötig
Doch trotz aller Fortschritte bleibt der Weg bis zur klinischen Anwendung steinig. Wie Neurochirurg Alexander Stegh, selbst familiär vom Thema betroffen, betont, ist dies zwar ein entscheidender Schritt – dennoch müssten weitere Ansätze kombiniert werden, um Resistenzen auszuschalten. Klar ist aber: Mit diesen Erkenntnissen wächst die Hoffnung auf sanftere und zugleich wirkungsvollere Therapien für Betroffene des schwer behandelbaren Glioblastoms.